2020 habe ich die Yogalehrer*innenausbildung an der Yogaakademie Austria abgeschlossen. Die Ausbildung machte ich vorrangig für meine persönliche Entwicklung. Ich habe 2012 mit Yoga begonnen und wollte mehr über die korrekte Ausführung der Asanas und über Pranayama wissen. Der spirituelle Aspekt vom Yoga ist ihm Rahmen der Ausbildung immer mehr dazu gekommen. Mit manchen Ansichten konnte ich damals noch sehr wenig anfangen. Aber das störte mich nicht. Ich fand alles interessant und nahm das für mich heraus, was ich schon annehmen konnte.
Angezogen fühlte ich mich besonders vom Singen von Mantras. Auch die Begleitung des Singens vom Ausbildungsleiter mit dem Harmonium oder der Tampura fand ich wunderschön – ebenso den Einsatz von Klanginstrumenten beim Yoga oder beim Chanten. Ich habe mich immer schon von Klanginstrumenten angezogen gefühlt und auch Rhythmusinstrumente oder einfache Blasinstrumente (z.B. Mundharmonika) in der Therapie eingesetzt.
Mir wurde damals schon bewusst, dass vieles, was ich in der Yogalehrer*innenausbildung lernte, in der Stimmtherapie schon lange Anwendung findet. Wichtige Bausteine in der Stimmtherapie – wie im Yoga – sind: Körperhaltung und Bewegung, die Körperspannung, Körperwahrnehmung und die Atmung.
In der Stimmtherapie – und auch im Nada-Yoga, dem Yoga des Klanges – spielen die Phonation (die Stimmgebung), die Artikulation (Aussprache) und die Resonanz eine bedeutende Rolle. Dazu kommen noch die Persönlichkeit und die Stimm-ung, die mit der Stimme eng verbunden sind. Stimmliche Verhaltensmuster in Alltagssituationen, Emotionen und Stress haben Einfluss auf die Stimme.
Es sind also viele Elemente des Yoga in der Stimmtherapie anwendbar. Allerdings müssen sie auch so angewendet werden, dass sie hilfreich sind. Unachtsames und anangemessenes Üben führen im schlimmsten Fall zu einer Verschlechterung.
Ich habe viele Jahre ausschließlich Menschen mit neurologischen Erkrankungen behandelt, weil ich mich in diesem Bereich kompetent fühlte. In der Stimmtherapie hingegen fühlte ich mich nicht sicher. In mehreren Bereichen der Stimmtherapie war ich auch kein gutes Vorbild. Ich hatte keine gute Körperhaltung und auch keine gute Körperwahrnehmung. Ich bekam schon Atemnot, wenn ich nur den Atem beobachten sollte, ich war im Alltag nicht um eine gute Artikulation bemüht und ich fand meine Sprechstimme absolut scheußlich. Die Aufnahmeprüfung zur Logopädieausbildung, bei der diese Fähigkeiten überprüft worden waren, hatte ich dennoch bestanden. Objektiv betrachtet dürfte ich also nicht so daneben gewesen sein, aber meine Selbstzweifel waren sehr groß in diesen Bereichen.
Das Therapieren der Singstimme hatte ich sowieso nicht in Betracht gezogen. Schon als Kind war mir klar gemacht worden, dass ich nicht singen kann und das bleiben lassen soll. Auch im Spielen mit Instrumenten gibt es ein paar traumatisierende Erlebnisse. In der Therapie von neurologischen Patient*innen merkte ich aber immer öfter, wie vielfältig das Tönen, das Summen und das Singen angewendet werden kann und dass es vielen Patient*innen Spaß machte. Für manche Patient*innen war das Singen das Einzige, was an lautlichen Äußerungen möglich war. Auch mir machte es immer mehr Spaß und so war wurde das Tönen und Singen immer mehr ein fester Bestandteil meiner Therapieeinheiten. In der Zeit der Yogalehrer*innenausbildung und danach begann ich mich intensiver mit meiner eigenen Atmung, meiner Körperhaltung und Körperwahrnehmung und mit meiner eigenen Stimme auseinanderzusetzen.
Bald kamen auch die ersten Anfragen von Patient*innen im Bereich der Atemtherapie und der Stimmtherapie. Die Atmung und die Stimme wurden zunehmend mein persönliches Steckenpferd. Ich machte etliche Fortbildungen, um mich auch in der Theorie auf den aktuellen Stand zu bringen. Mittlerweile liebe ich es nicht nur mit Patient*innen singen und zu tönen und mich therapeutisch Atem- und Stimmstörungen anzunehmen, sondern auch gemeinsam mit anderen, oder für andere – vor allem im Rahmen des Nada-Yoga – zu tönen, zu summen und zu chanten. Immer noch habe ich allerdings eine große Hemmschwelle vorzusingen. Aus mir wird nie eine „Rampensau“ werden, aber ich wünsche mir, dass ich irgendwann auch das Vorsingen und das Vorspielen mit Instrumenten genießen kann.

